Hoch zu Ross durch die Wildschönau

Von Andrea Hammerl

Romantik, Abenteuer und Natur pur – all das bietet ein Ritt zur hochgelegenen Alm Neuhögen im Tiroler Hochtal Wildschönau. Die Mischung liegt voll im Trend, besonders bei Müttern mit halbwüchsigen Kindern. Charlotte (13) und Oliver (16) haben die Probe aufs Exempel gemacht und die Tour genossen.

So früh sind Charlotte und Oliver schon seit mindestens fünf Jahren nicht mehr aufgestanden. Doch kaum ist Michael Fills Ruf „Tagwache, alle aufstehen“, verklungen, sind sie beide tatsächlich auf, und das um 4.45 Uhr, noch dazu ohne Murren. Auf der Alm, auf 1713 Meter Höhe in der Wildschönau in Tirol ist eben alles anders. Vor allem nach einem abenteuerlichen Ritt hinauf nach Neuhögen, nach leckerem Barbecue vom Senner und einer Nacht auf dem Heuboden.

Jeden nimmt Reitlehrer Michael Fill übrigens nicht mit auf den mehrstündigen Ritt. Erst müssen die Kandidaten in einer Auffrischungsreitstunde beweisen, dass sie reiten und im Gelände mit ihrem Pferd umgehen können. Michael hat seine Argusaugen überall. „Raktan, Ecken ausreiten“oder „Lucky, falscher Fuß“ heißt es sofort, wenn jemand nicht aufpasst. Michael spricht seine Reiter kurzerhand mit den Namen der Pferde an und erspart sich so, ständig neue Namen zu lernen. Natürlich hören die Pferde auf sein Kommando – manchmal schneller, als die Reiter im Sattel.

Charlotte hat den Test in der Reithalle des Haflingerhofes in Mühltal bestanden und auch ihr Wunschpferd für den Almritt bekommen. Nun hört es sich auf dem Heuboden von Neuhögen so an, als ob draußen ein Unwetter niederginge. Die Zwölfjährige lauscht dem Wasserrauschen. Es ist nur ein Bach, der in der Nähe vorbeifließt, wird ihr der Senn am nächsten Morgen beim schnellen Steh-Frühstück in der Hütte erklären. Ketten rasseln unter ihr, und die Pferde stampfen oder scharren mit den Hufen, das hat Charlotte wohl geweckt. Was Jungstier Toni wohl über die seltsame Einquartierung denken mag? Er drängt sich in seine Ecke und glotzt die Pferde an. Im Stall nebenan bewacht die verletzte Kuh Lizzy die Sättel, während sich deren Besitzer eine Etage höher unruhig im Nachtlager aus Heu und Schlafsack wälzen.

Drei Stunden hat die achtköpfige Gruppe nach Neuhögen gebraucht, wo 56 Kühe, 20 Ziegen sowie Senn und Sennerin Josef und Maria Hörbiger die Gäste mit einem reichhaltigen Barbecue mit Grillfleisch, Grillkartoffeln und Würstel erwarteten. Der Weg hinauf wechselte von Asphaltstraße über Schotterweg bis hin zum schmalen Gebirgspfad ab der Thaleralm. Noch einmal hat Charlotte dort den malerischen Blick ins Tal hinunter genossen, dann hieß es aufpassen. Irgendwann gab es keinen Pfad mehr, der Pferdenase nach ging es bergauf, die erfahrenen, trittsicheren Tiere suchten sich ihren Weg zwischen Gesteinsbrocken und Schlammlöchern selber – sie wissen es definitiv besser als die Reiter, die kurz darauf mit Wackelpudding in den Beinen aus dem Sattel rutschten. 

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