Schafhirten in der Slowakei

Noch können die zwei Schafhirten aus Porá von ihren 400 Schafen und dem Verkauf der Wolle, der Milch und dem Käse leben. Jedoch ist das ländliche Gebiet nahe der Tatra einer massiven Landflucht ausgesetzt. Junge Menschen zieht es nach Bratislava oder in den Westen. Zurück bleibt eine überalterte Gesellschaft und durch die Kommerzialisierung seit dem Zerfall des sozialistischen Ostblocks kaum eine Lebensgrundlage für Bauern oder Hirten.

Von Fabian Weiß

Die Wolken hängen tief und ruhig über Porá an diesem trüben Tag. Die nahe gelegene Tatra hält sie auf. Vereinzelte Schneeflecken drängen sich noch dicht an dicht in die Mulden der feuchten Wiese. Aus dem hölzernen Trailer der Schafshirten steigt leichter Rauch auf. Als wir uns nähern schlägt der Schäferhund sofort an und lässt uns selbst nach einer herzlichen Begrüßung der zwei alten Schafhirten nicht in Ruhe.

Hastig werden wir von den beiden in den kleinen Wagen gebeten, der ausschließlich der Käseherstellung dient – und das seit 32 Jahren. Langsam beruhigt sich der Hund, da wir nun aus seinem Blickfeld verschwunden sind. In dem Wagen steht die Luft, es riecht nach Rauch. Nur durch ein kleines Fenster dringt etwas Licht herein und wirft einen diffusen Schatten der sorgfältig aufgehängten Werkzeuge an die Wand. Der kleine Raum ist in zwei Teile geteilt. In einem wird der Käse geschöpft, der andere Teil dient der Lagerung. Ohne die Möglichkeit einer Widerrede bringt uns Stefan Prabel ein Stück Käse aus dem Lager zum Probieren. Der weiche, etwas gummiartige Käse, schmeckt nach wenig. „Noch ist er nicht ausgereift“ grinst Stefan, der unsere Gedanken zu erraten scheint. Er stellt uns eine Schale Salz dazu, mit welchem der Käse köstlich schmeckt.

In einem Kupferkessel, der auf einem kleinen metallenem Ofen steht, schwimmt eine milchig-gelbe Brühe. Mit einem großen hölzernen Löffel rühren die beiden abwechselnd den Sud um. Unter dem Kessel steigen immer wieder kleine Rauchwolken hervor. „Nur Schafmilch und Enzyme! Sonst nichts!“ versichert uns der Schafhirte mehrmals. Mehr braucht der 59-jährige für seinen Käse – den Brimsen, wie er hier genannt wird – nicht. Das Gemisch wird auf 70 Grad erhitzt, der entstandene Weichkäse abgeschöpft, ausgepresst und sieben Tage lang zum Reifen aufgehängt. Danach wird er für fünf bis sechs Euro pro Kilo an eine ehemalige Kolchose und an die lokale Bevölkerung verkauft. „Manchmal auch nur für vier…“, fügt er erschöpft hinzu. Für die zwei Hirten reicht dies kaum noch zum Leben.

„Früher konnten wir die Wolle für neun Euro pro Kilogramm bis nach Polen verkaufen. Heute bleiben uns gerade einmal 30 Cent übrig.“ Und die Molkerei in Kemarok zahlt auch nicht gerade üppig für die Schafsmilch. Vor allem die Landflucht macht den zwei Slowaken schwer zu schaffen. „Die Jungen zieht es alle nach Bratislava oder noch weiter in den Westen. Und die Zigeuner, die sich an deren Stelle ansiedeln, kaufen nichts von uns!“ erklärt er mit müden Augen, während er uns einen Laib Käse in einer Plastiktüte verschnürt. „Aber ab dem 1. Mai gehen die 400 Schafe wieder auf die Weiden. Dann gibt wieder viel zu tun!“ lacht er und winkt uns zum Abschied.

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