Ruhe über dem Polarkreis

Wo sich Fuchs und Rentier „gute Nacht!“ sagen

von Sebastian Freiler

Direkt oberhalb des Polarkreises befindet sich das kleine Wildnisgehöft von Silke und Dirk Hagenbuch. Inmitten des schwedischen Lapplandes, fernab von jeder Zivilisation schufen sie sich mit ihren zwei kleinen Söhnen ein Leben in Ruhe und Einfachheit. Zwanzig Kilometer entfernt vom nächsten bewohnten Haus angesiedelt muss das Auswandererehepaar komplett auf das öffentliche Leistungsnetz verzichten. Aber das stellt für die beiden kein Problem dar, denn alles, was sie brauchen, gibt es: eine Waldquelle liefert frisches Wasser, Petroleumlampen sorgen für Licht in den dunklen Polarnächten und gusseiserne Öfen sorgen für warme Mahlzeiten und Räume im ganzen Jahr.

Ihr Geld verdient die Familie Hagenbuch, indem sie Gästen aus aller Welt ein einmaliges Naturerlebnis bietet. Besonders in den Wintermonaten, wenn sich die Sonne (wenn überhaupt) nur kurz über dem Horizont blicken lässt, kommen Touristen um die unbeschreiblich urige Stimmung zu erleben. Untergebracht werden die Gäste in einem über 100 Jahre alten Blockhaus oder in umgebauten Bauwägen von Waldarbeitern. Alles ist schlicht und rustikal eingerichtet, und genau das macht den eigenen Charme in Wintermonaten um den Zimmerofen herum aus. Es erinnert an längst vergangene Zeiten.

Unter Tags werden die Gäste zum Ski- oder Schneeschuhwandern in einer der entlegensten Landschaften Europas ausgeführt. Da das Wildnisgehöft eine kleine Herde an Rentieren besitzt, werden auch Rentierschlittenfahrten angeboten. Aber auf keinen Fall darf das Wohlbefinden zu kurz kommen. Essen ist eine der obersten Prioritäten. Nach einem ausgiebigen Frühstück sitzt man bereits um Punkt zwölf Uhr zum Mittagessen am Tisch, um kurz darauf die „Fika“ – eine Nachmittagsjause mit Kaffee und Kuchen – vorzubereiten. Das groß aufgetischte warme Abendessen am frühen Abend darf natürlich auch nicht fehlen.

Mitten in der Natur kann man das Leben genießen, so wie es früher war. Absichtlich wird das Leben entschleunigt und auf den Rhythmus der Natur abgestimmt. Ohne Elektrizität, Internet und sonstigen hektischen Dingen unseres Alltages wird man sich darüber klar, auf was man im Leben verzichten kann. Bewusster leben ist das Motto. So wie es eine der Helferinnen am Hof immer sagt:“ Alles, was man zum Leben braucht, passt in eine Tasche.“

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