Taxidriver

Mosambik: Die Fahrrad-Taxis vom Quelimane.

Von Gerald Henzinger

Radtaxis sind in manchen afrikanischen Städten ein unverzichtbarer Teil des öffentlichen Verkehrs. Allein in der Hafenstadt Quelimane müssen es tausende sein, sie prägen das Stadtbild. Um Armut und Arbeitslosigkeit zu entkommen, genügt ein Fahrrad und ein stabiler Gepackträger. Fünf Radtaxifahrer erzählen über ihr Leben ...

 

Alfandega

Alfandega Collazo ist 37 Jahre alt. Aufgewachsen ist er auf dem Land, aber vor acht Jahren trieben ihn die schlechten Umstände in die Stadt. Er hoffte auf Arbeit und ein besseres Leben.  Er fand eine Stelle als Wächter, doch die Firma ging Konkurs. Seine Aussichten auf dem Arbeitsmarkt waren ernüchternd. So wurde er Rad-Taxifahrer. Für 2000 Metical, etwa 50 Euro, kaufte er ein neues Fahrrad der Marke "Hero" aus indischer Produktion. Für den extrastarken Gepackträger investierte er weitere 35 Metical (1 Euro).

Um mit dem Rad Taxi zu fahren braucht es nicht viel. Ein Rad und eine Portion Ausdauer. Alfandega hatte beides. Besser als zu Hause sitzen sei die Arbeit allemal, erzählter während er die Kette wieder einlegt, die regelmäßig heraus springt. Außerdem bleibt man gesund und fit.

50 Metical, umgerechnet 1,2 Euro nimmt er am normalen Tag ein. Man kommt damit durch, meint er. Seine Bescheidenheit wirkt fast unheimlich.

Die Schule hat er nur bis zur sechsten Klasse besucht, dann kam der Krieg. Inzwischen holt er die fehlenden Klassen nach und geht jeden Tag – nach sieben Stunden Arbeit – in die Abendschule. Heute wird er auch noch eines seiner Kinder (er hat insgesamt vier) ins Spital bringen. Es hat Malaria und muss behandelt werden.

Armando

Armando beendet gerade seine Nachtschicht. Acht Fahrgäste haben ihm insgesamt 80 Metical eingebracht. Er ist zufrieden damit. Es ist sieben Uhr morgens, er wird sich jetzt bis um 18h ausrasten.

Wie alle Taxifahrer muss er für seine Familie sorgen. Er hat noch keine Kinder, aber er ist der älteste und seit sein Vater tot ist, also muss er für seine Mutter und die Geschwister sorgen. Eine große Verantwortung mit seinen 19 Jahren. Die Schule hat er nur bis zur dritten Klasse besucht. Eine Sehschwäche hinderte ihn am weitermachen. Auch hatte er in der vierten Klasse nicht kaum noch Kleidung. Er ging einfach nicht mehr in die Schule. Ein Curandeiro, ein traditioneller Heiler, konnte seine Krankheit zwar nicht kurieren, aber sie wurde zumindest gebremst.

Armando fing mit einem geliehenen Rad an – 30 Metical Miete am Tag, der Einheitstarif fürs Rad Ausborgen. Er sparte Geld und kaufte dann ein eigenes. Damit ist er seit fünf Jahren unterwegs und verdient ein bis zwei Euro am Tag.

Quelimane ist keine gefährliche Stadt, aber in die Townships, hier Bairros genannt werden, fährt Armando trotzdem nicht. Ein Rad ist hier ein Wert. Es lohnt sich, jemandem weh zu tun, um es zu bekommen.

Jeder, der Radfahren kann und weiß wie die Münzen aussehen, kann Radtaxi fahren und damit legal sein Leben bestreiten. Das Rad ist ein sozialer Friedensstifter, es sorgt für weniger Kriminalität, schafft Arbeit. Die meisten Fahrer machen sich Gedanken über ihre Zukunft – wie sie ihre Situation verbessern oder ihre Kinder studieren lassen können.

Doch es werden immer mehr, die Radtaxi fahren, und der Gewinn für den Einzelnen wird immer weniger. Zu Jahresanfang hat die Stadtregierung eine Lizenz eingeführt, um der Situation Herr zu werden. Sie kostet 350 Metical.

Quelimane ist eine ruhige Stadt. Man hört oft kein Auto, nur die Geräusche der Fahrräder. Für Autos sind die viele Straßen Quelimanes ohnehin durch die vielen Schlaglöcher nahezu unpassierbar. Das Fahrrad ist hier im Vorteil: Man fährt um die Schlaglöcher herum oder – wenn das Schlagloch groß genug ist – gleitet man hinein und auf der anderen Seite mit ein paar beherzten Pedaltritten wieder hinaus.

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