Land Grabbing – Die globale Jagd nach Ackerland

von Christian Brüser

Die Weltbevölkerung nimmt zu, fruchtbares Ackerland nimmt weltweit ab. In den letzten 20 Jahren hat sich die weltweit verfügbare Agrarfläche pro Kopf halbiert. Ölstaaten wie Saudi-Arabien, die wenig Agrarland, aber viel Geld haben, leiten eine neue Form des Kolonialismus ein: Sie erwerben oder pachten riesige Ackerflächen in Afrika und Asien.

Textauszug:

"Eine Farm wie unsere finden sie sonst nirgends! Wir produzieren hier Erdbeeren, Tomaten, Salate, Kräuter, Zucchini, Spargel – 85 verschiedene Sorten das ganze Jahr hindurch." Jan Prins schwärmt von Äthiopien. Seit fünf Jahren arbeitet der Holländer in dem Land, das man eher mit Hunger als mit Gemüse assoziiert. Woche für Woche produziert er 180 Tonnen Gemüse.

Mit Ausnahme seiner 3.000 Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen bekommen die Äthiopierinnen und Äthiopier davon kaum etwas zu sehen. "Wir beliefern Kunden, die höchste Qualität erwarten. Zum Beispiel die Fünf-Sterne-Hotels in Dubai, in Katar und Saudi-Arabien. Sie geben am Morgen ihre Bestellung auf, mittags verlassen unsere Produkte die Farm, abends sind sie am Flughafen und am folgenden Morgen beim Kunden." Ungefähr 800.000 US-Dollar erwirtschaftet Jan Prins pro Monat.

Gemüseexporte trotz Hunger im Land

Das World Food Program der Vereinten Nationen hat in Äthiopien eines seiner größten Länderprojekte. Etwa sieben Millionen Menschen bekamen 2010 Nahrungsmittelhilfe, weil sie unter- oder mangelernährt sind. Jan Prins sieht keinen Widerspruch darin, Gemüse zu exportieren, obwohl im eigenen Land Menschen hungern. Ganz im Gegenteil, es sei eine Win-win-Situation: "Die Regierung braucht Devisen. Wir bringen die Devisen ins Land, damit sie Weizen für die Hungernden kaufen kann."

Die 20-jährige Sanait arbeitet seit einem Jahr auf der Farm von Jan Prins. Sechs Tage pro Woche pflanzt oder erntet sie Gemüse. Verdienst: 16 Euro im Monat. Das reicht gerade zum Überleben, manchmal müssen ihr die Eltern mit Mehl aushelfen. Sie wohnt in einer fensterlosen Kammer mit gestampftem Lehmboden. Von der Decke baumelt eine Glühbirne, das Wasser schleppt sie 500 Meter weit im Kanister heran. "Ich habe noch nie von dem Gemüse gegessen, das auf der Farm angebaut wird. Ich kann es mir nicht leisten, und es ist verboten, auf der Farm etwas davon zu probieren."

Profite für Investmentfirmen

Jan Prins' Gemüsefarm ist nur ein kleines Beispiel für einen Trend, der sich derzeit in vielen Ländern Afrikas und Asiens beobachten lässt. Ausländische Investoren sichern sich Ackerland, eine zunehmend knappe und damit kostbare Ressource, mit der sich sehr viel Geld verdienen lässt. In den vergangenen 20 Jahren hat sich die weltweit verfügbare Agrarfläche pro Kopf halbiert. Bis 2050 wird sie sich noch einmal halbieren. Lebensmittel werden knapp, die Preise steigen. Allein 2009 sind 100 Millionen Menschen zusätzlich zu Hungernden geworden.

Für internationale Investmentfonds bedeutet die Verknappung von Agrarland ein hochprofitables Geschäft (...)

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