I Can Dance

Die I Dance Company bietet jungen Menschen mit Down-Syndrom einen Rahmen für
künstlerischen Ausdruck. Und gibt ihnen auf diese Weise ein Stück Normalität zurück.

Von Susanne Wolf


„It's Party Time!“ Der junge Mann strahlt in die Runde und beginnt mit geschmeidigen Bewegungen zu tanzen. „Tu Vuò Fà L'Americano“, ein italienischer Klassiker aus den 1950er Jahren, tönt aus den Lautsprechern. Ralf legt trotz seines korpulenten Körperbaus ein Solo aufs Parkett, als wäre es das Selbstverständlichste der Welt.

Tatsächlich sind die Umstande alles andere als selbstverständlich. Die I Dance Company bietet jungen Menschen mit Down-Syndrom einen Rahmen, um aus ihrem Alltag auszubrechen und ihr tänzerisches Können unter Beweis zu stellen. Als die letzten Akkorde des Italo-Klassikers verstummt sind, verbeugt Ralf sich unter dem Jubel seiner Mittänzer; die Atmosphäre im Saal ist gelöst und heiter. Die wöchentliche Probe der I Dance Company findet im Wiener Amerlinghaus statt und den Mitgliedern ist ihre Begeisterung bei jeder Bewegung anzumerken. In den Pausen wird getratscht und gescherzt, doch wenn Beata Vavken, künstlerische Leiterin der Tanzkompanie, zur Ordnung ruft, sind die Tänzer konzentriert und mit Eifer bei der Sache.

Die ehemalige Staatsoperntänzerin gründete vor vier Jahren die I Dance Company, weil ihr, „das Korsett der normalen Kunst wahnsinnig auf die Nerven ging.“ Die zierliche Tänzerin lebt für ihre Schützlinge und ist begeistert von deren Einsatzfreude und Talent. „Ich wollte die Kunst aus den Künstlern selbst heraus holen“, erzählt Vavken, „und das geht bei Menschen mit Down-Syndrom leichter.“ Wie man sich das vorstellen kann? „Die Gebefreudigkeit und Natürlichkeit ist bei diesen Menschen um ein Vielfaches größer. Sie sind auf unnachahmliche Weise authentisch.“ Während andere Darsteller ihre Rollen erarbeiten müssten, spürten Menschen mit Down-Syndrom sie von Anfang an. „Claus Peymann hat nach einem Gastspiel in Berlin gemeint, das sei die natürlichste Form des Schauspiels“, schwärmt die Tänzerin. Und fügt hinzu: „Im Tanz finden Menschen mit Down-Syndrom leichter ihren Ausdruck und verarbeiten dadurch Teile ihres Lebens.“ Besonders deutlich wird das bei einer der Tänzerinnen: in den Pausen sitzt Miriam an die Wand gedrückt am Boden, doch kaum ertönt die Musik, gibt sie sich ihr mit Gefühl hin.

Tanzen als Beruf

Die I Dance Company funktioniert nach dem Prinzip der sozialen Inklusion - jeder Mensch wird in seiner Individualität von der Gesellschaft akzeptiert - und gibt ihren Mitgliedern die Möglichkeit, das Tanzen zum Beruf zu machen. „Wir suchen uns die Menschen aus, die Talent haben – wir wollen nur die Besten! Und nur diejenigen, die das selbst wollen und ihre eigene Entscheidung treffen – und nicht vielleicht die ihrer Eltern“, erklärt Billy Vavken, kaufmännischer Leiter der I Dance Company. Ein ehrenamtliches Betreuerteam aus Ernährungswissenschaftlern, Tanz- und Ergotherapeuten sorgt sich um das Wohlergehen der Künstler; die pädagogische Leiterin Claudia Sack studiert gemeinsam mit Beata Vavken die Tanznummern ein. Die Company bezahlt die Tänzer für ihre künstlerischen Tätigkeiten und schafft damit Arbeitsplätze für Menschen mit Down-Syndrom. „Das Geld kommt von Subventionen der Stadt Wien, von Sponsoren und den Eintrittsgeldern“, erklärt Vavken.

Down-Syndrom oder Trisomie 21 bedeutet, dass durch eine Genommutation das gesamte 21. Chromosom oder Teile davon dreifach vorliegen (Trisomie). Menschen mit diesem Gendefekt weisen in der Regel besondere körperliche Merkmale wie die typischen schmalen Augen auf und sind in ihren kognitiven Fähigkeiten beeinträchtigt. Auf der anderen Seite wird Menschen mit Down-Syndrom besondere Fähigkeiten im Bereich des Sozialverhaltens und der Emotionalität attestiert.

Die ausgeprägte soziale Ader wird im Umgang der Tänzer deutlich: während die meisten dem Aufruf zum Gruppentanz bereitweillig folgen, bleibt ein junger Mann in der Ecke sitzen. Sofort läuft eine der Tänzerinnen zu ihm und zieht ihn an der Hand in die Gruppe. Wenig später, wird klar: dieser junge Mann hat das Zeug zum Star ...

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